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Kamishibai


Das Jahr neigt sich dem Ende zu.

Die Rauhnächte beginnen noch vor dem Weihnachtsfest.

Zeit zur Besinnung – Zeit zum Innehalten – Zeit der Ruhe


Allen Märchenfreunden wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest, besinnliche Zeit und alles Gute für das „Neue Jahr“


Der Langmantel

Ein Holzfäller aus dem Illtal kehrte einst spät von seiner Arbeit heim und folgte, um schneller hinter den warmen Ofen zu kommen, einem Höhenpfad, der über den Sattel eines Bergpfads führt.

Der hartgefrorene Schnee knirschte vertraut unter seinen Füssen, und der Mond hing wie eine helle Lampe am klaren Himmel und beleuchtete den Weg.

Nachdem er den Bergkamm erreicht hatte, brauste ihm ein eiskalter Wind entgegen. Er fuhr ihm durch die Kleider, dass er schnattertete, wirbelte ihm Schneekörner ins Gesicht und raubte ihm fast den Atem: Heu, huiii!!

Der Mann zuckte zusammen und tastete nach einem Halt. Erst jetzt fiel  ihm ein, dass die Rauhnächte angebrochen waren, in denen der Langmantel durch den Bergwald schweift.

Vielleicht ist er noch nicht unterwegs, der Holzhauer biss die Zähne zusammen und kämpfte beherzt gegen den brausenden Wind. Dieser johlte und pfiff und schnob wie ein jagender Wolf durch den verschneiten Wald.

Er stieß gegen die ragenden Stämme, die in ihren grundwurzeln erbebten, und riss sie heftig an ihren Kronen, dass sie gleich lebenden Wesen jammerten und stöhnten.

Als der Holzhauer die Mitte des Bergwaldes erreicht hatte, wurde der Wind zum wütenden Sturm. Um nicht von den niedersausenden Ästen getroffen zu werden, lehnte er seinen Rücken an den stamm einer dicken Eiche und blickte nach dem Himmel, an dem die Sterne friedlich glänzten.

Das geht nicht mit rechten Dingen zu, stammelte der Mann, dessen Augen jagende Sturmwolken gesucht hatten, und presste die Hände gegen das laut klopfende Herz.

Da streifte ein wallender Mantel sein Gesicht, und mit weit geöffneten Augen starrte er in ein steinaltes, von einem grauen Bart umschlossenes Antlitz, das ein breiter Schlapphut überschattete.

Neben dem Herrn standen zwei Wolfshunde mit grün schillernden Lichtern.

Gnade Herr, ich bin in Ungedanken diesem Weg gefolgt, flehte der Holzfäller und glaubte, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Aber ohne ein Wort zu sprechen wandte sich der Alte ab und verschwand in einer stäubenden Schneewolke.

Als der Mann seinen Schreck überwunden hatte, staunte er nicht schlecht über die eingetretene Stille und sah die Lichter seines Dorfes durchs Unterholz schimmern.

Ich bin dem Langmantel begegnet, sagte er daheim zu seiner Frau.

Diese schalt ihn über seinen Leichtsinn und er musste ihr Versprechen, nie mehr dem gefährlichen Pfad zu folgen.

Der Langmantel aber wandelt noch heute über den alten Höhenpfad, und in den Rauhnächten wagt es niemand, den sturmgepeitschten Wald zu betreten.


Sage von der Saar

Wintermärchen ausgewählt von Djamila Jaenike

Mutabor Verlag

ISBN:9783952369210

S.103 -104