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Kamishibai



Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten...

(Rainer Maria Rilke)

Novembergedicht im Novemberlicht

Mystisch wird’s und märchenhaft.

Obwohl Märchen das ganze Jahr Freude bringen, beginnt nun die Jahreszeit, in der wir uns ganz besonders gerne darauf einlassen.

Bei Kerzenschein, brennendem Feuer im Kamin, die Gedanken kommen zur Ruhe wie die Natur…

Doch im November ist auch Samhain, eines der vier großen keltisch, irischen Feste. Dazu passend ein Märchen.


1937 von Sémus ò Cealle aus dem Co. Galway erzählt:

Mein Vater (seine Seele möge im Himmel ruhen), erzählte oft von einem Mann aus der Familie der Regans, der hier in Killeen vor vielen Jahren lebte. In jenen Zeiten hatten die Leute keine Kerzen oder Lampen, sondern alle gingen ins Moor und holten sich dort ein dickes stück Moorholz und nahmen es mit nach Hause.

Dann machten sie kleine Späne davon, tauchten die Späne in Talg von den geschlachteten Tieren, und wenn sie dann Licht brauchten, benutzten sie einen dieser in Talg getauchten Späne und zündeten ihn an. Manchmal hielten sie ihn in der Hand und manchmal wurde er in die Mitte eines Kartoffelhaufens gesteckt, während man darum herum saß und die Kartoffeln zu Abend aß.

Diese Lichter nannten sie Splitterlichter, und sie gaben nur kurz Licht. In der übrigen Zeit saßen sie um das Feuer und erzählten sich dort gegenseitig Geschichten. Das Licht des Torffeuers reichte ihnen, und einige der alten Leute konnten ohne Ende Geschichten erzählen.

Nun, dieser alte Mann der Regans – er war der Urgroßvater von Pateen Regan, was zeigt, dass es schon eine ganze Weile her ist –, der hatte einen großen Stumpf Moorholz im Carrachán Moor liegen.

Es war ihm gelungen, den Stumpf samt den Wurzeln herauszureißen, und dann hatte er ihn auf die Böschung geworfen, um ihn am nächsten Tag nach Hause bringen zu können. Jetzt aber machte er sich auf den Heimweg, da es schon dunkel wurde. Sein Weg führte an einem Bach entlang. Und da hörte er auf einmal ein Geräusch, das klang, als klopfe jemand Wäsche. So als käme es von dem großen Stein, auf den man beim Überqueren des Baches treten musste.

Er war ein hitziger junger Mann damals, und ihn kümmerten weder Dämonen noch Teufel, so einer war er. Er schlich sich leise über das Moor heran, dorthin, wo er die Geräusche hörte, und da sah er sie:

Sie hatte das Wäscheholz in der einen Hand, und in der anderen Hand hielt sie einen wunderschönen Kamm. Leise schlich er sich hinter sie, schnappte ihr den Kamm aus der Hand und rannte davon, so schnell er konnte, er rannte nach Hause. Die Banshee rannte hinter ihm her und schrie, und ein Schrei war schlimmer als der andere. Sie nahm das Wäscheholz, das sie in der Hand hielt, und schleuderte es nach ihm.

Was ihn gerettet hat, weiß ich nicht, jedenfalls pfiff das Ding an seinem Kopf vorbei, und wenn es seinen Kopf getroffen hätte, wäre er ein toter Mann gewesen. Zum Glück war Regan ein schneller Läufer, so dass es ihm gelang, immer vor ihr zu bleiben, wie sie ihn da durch die Gegend jagte. Als sie das Wäscheholz wieder erreichte, da hob sie es auf und warf es zum zweiten Mal, und Regan hörte es an seinem Ohr vorbeizischen – ich glaube, es war für ihn bestimmt, aber es verfehlte ihn zum zweiten Mal.

Die Banshee nahm zum dritten Mal ihr Wäscheholz, und als sie es gepackt hatte, da erreichte Regan gerade sein Haus an der Giebelseite und die Banshee feuerte zum dritten Mal.

Regan schaffte es gerade durch seine Tür, als das Wäscheholz den Giebel traf und das Haus von oben bis unten erbebte. Er verschloss die Tür und verriegelte sie mit dem Balken, den sie sonst benutzten, wenn ein Sturm im Anzug war.

Sie alle saßen da im Haus und das Herz rutschte ihnen in die Hosen, als sie den Schrei draußen vernahmen. Sie befahl ihnen in Irisch, den Kamm herauszugeben, oder sie würde das Haus einstürzen lassen.

Regan erhob sich, nahm den Spaten und legte den Kamm ganz vorne auf den Spaten. Dann fasste er den Spaten ganz hinten am Griff und stieß den Kamm damit unter der Tür hindurch zu ihr hinaus. Die Hälfte der Eisenstange des Spatens war draußen vor und die andere Hälfte innen hinter der Tür.

Sie schnappte den Kamm und mit ihm die Hälfte des Spatens, die draußen war und nahm den Kamm und die Spatenhälfte mit. Als sie den Spaten wieder zu sich hereinzogen, da hatten sie nur die Hälfte der Eisenstange in der Hand.

Als sie am nächsten Morgen nach draußen gingen, da sahen sie, dass der Giebel des Hauses vom Dach bis zum Boden in zwei gleich große Hälften geteilt war. Und wenn du jetzt hinübergehst, um die die alte Ruine der Regans anzuschauen, dann kannst du noch immer den gespaltenen Giebel des Hauses sehen, und genau so ist es geschehen.


Quelle: Lysaght, Patricia: The Banshee. The Irish Supernatural Death Messenger. Dublin 1986. S. 164-167.

Übersetzung und Erzählbearbeitung nach dieser Fassung: Sabine Lutkat.